3 Mythen über faire Mode: Was ist dran? | Gastbeitrag

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es den ersten Gastbeitrag hier. Geschrieben hat ihn Sabrina, ehemals Autorin des Blogs “Kokon aus Luft” und damit eine meiner größten Nachhaltigkeits-Inspirationen. Sie schreibt hier heute über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: 3 Mythen über faire Mode. Viel Spaß beim Lesen und lasst ein bisschen Liebe in den Kommentaren da!

Faire Mode ist teuer, gar nicht wirklich fair und sieht außerdem scheiße aus. Wirklich?

Eine ganze Weile beschäftige ich mich nun schon mit Fairer Mode, ich habe darüber gebloggt und Bildungsarbeit gemacht, einen ganzen Austausch über nachhaltigen Konsum organisiert, unzählige Diskussionen geführt. Ich habe mich selbst sehr viel weitergebildet. Eins ist mir aufgefallen: Wenn es um faire Mode gibt, wiederholen sich die Aussagen immer. Viele Menschen bleiben immer wieder an den gleichen Argumenten hängen. Ich nenne sie Mythen, weil die meisten davon nicht hundertprozentig richtig sind. Trotzdem sind es tatsächlich naheliegende Gedanken, die ich auch nicht so einfach wegwischen will. Lasst uns also drüber sprechen.

Denn das Unwissen jedenfalls verstellt eine differenzierte Diskussion und die ist mir wichtig.

 1. Ethisch vertretbare Klamotten sehen ökomäßig aus

Ich habe für euch den fairen Modeblogger Alf-Tobias Zahn gefragt, den wer könnte sich besser mit dieser Frage auskennen als ein fair orientierter Modeblogger? Alf-Tobias bloggt übrigens unter https://www.grossvrtig.de/: Seine Meinung:

Wenn man möchte, kann man auch 2018 sich bestätigt fühlen, dass öko-faire Mode den Klischees entspricht und langweilig und irgendwie ökomäßig aussieht. Natürlich gibt es weiterhin Marken, die sich Leinen als Material verschrieben haben und sehr “ökig” sind. Aber die Bandbreite an Labels, die zeitgemäße Mode mit Style machen, ist in den letzten Jahren immens gewachsen. Mittlerweile gibt es sowohl für Männer als auch Frauen genügend Auswahl an Marken und Produkten, dass für jeden Geschmack eine faire Alternative zu Fast Fashion gefunden werden kann. Sie muss eben nur von den Konsumenten gefunden werden.

Meine Einschätzung: Ja, es gibt diese typischen Ökolabels. Und die haben auch ihre Berechtigung. Es soll ja Menschen geben, die Leinen tatsächlich schön finden! 😊 Aber auch der durchschnittlich modeinteressierte Mensch kann sich problemlos fair einkleiden. Faire Labels greifen Trends meistens ein ganz klein wenig später auf, aber sie greifen sie auf. Faire Mode ist eben etwas weniger schnelllebig. Wer sich ein bisschen  mit den Shops beschäftigt, findet schnell auch

Die Angst, sich stylemäßig einzuschränken, kann ich grundsätzlich verstehen; Mode ist auch für mich eine Ausdrucksform. Tatsächlich tritt das Problem vor allem auf, wenn man einen individuelleren Stil hat: Goths, Mittelalterfans usw. dürften tatsächlich Schwierigkeiten bekommen, wenn sie 100% fair kaufen wollen. (Ein Anfang könnte in dem Fall sein, erstmal mit fairen Basics anzufangen und die besonderen Teile konventionell zu kaufen.) Second Hand ist eine gute Alternative.

Wie ich das Problem für mich löse: Ich verstehe Stil als etwas, das ich mir erarbeite, um mich individuell auszudrücken. Meine persönlichen Werte (gegen Ausbeutung) sind ein Teil von mir, den ich modisch ausdrücken will. Second Hand ist die Rettung, wenn ich nach besonderen Sachen suche. Ab und zu kaufe ich (überlegt) konventionell. Mein Tipp an alle modisch Interessierten, die fairer werden wollen: Entwickelt euren eigenen Stil, der auch modisch eure Werte aufgreift. Sich für Mode zu interessieren, bedeutet nämlich nicht, einfach die neuesten Trends zu tragen.

 2. Fair Trade ist doch sowieso Beschiss.

Lebensmittelskandale sind mittlerweile schon fast an der Tagesordnung und das Vertrauen der Verbraucher*innen in die Hersteller ist drastisch gesunken. Es ist eine verbreitete Einstellung, dass sowieso nichts sicher und fair ist und Label nur als Verkaufstrick eingesetzt werden. Ich habe Friederike Meyn gefragt, die sich bei der Verbraucherzentrale in Hamburg mit Umweltthemen beschäftigt. Sie sagt dazu:

Ein gewisses Misstrauen gegenüber Labeln ist sicherlich angebracht, da auch diese manchmal irren wie z.B. in der jüngsten Vergangenheit der Blaue Engel. Manche Label sind sehr streng, andere, vor allem natürlich die Firmen-eigenen, sind kritisch zu betrachten. Manchmal muss sich der Konsument entscheiden; lieber faire Arbeitsbedingungen oder lieber ökologischer Baumwoll-Anbau. Nichtsdestotrotz dienen Label als eine gute Orientierung für Konsumentscheidungen.“

Meine Meinung: Ja, es gibt Skandale. Wer Bio/Öko/Faire Sachen deswegen pauschal disqualifiziert, macht es sich aber zu einfach. Und macht es auch den Firmen zu einfach: Der Druck muss bestehen bleiben, gerade auch, wenn es Skandale gibt.

Wenn es für Firmen nicht irgendwann richtig peinlich wird, unfair zu produzieren;  Umsatzverlust-peinlich, dann ändert sich nie etwas.

 3. Fair gehandelte Mode ist teuer.

Meine Antwort: Ja und nein. Es kommt ganz darauf an.

Dieser Mythos sollte nicht mal eben vom Tisch gewischt werden. Im Kern berührt er die Frage, ob ein ethischerer Lebensstil nur etwas für Menschen mit viel Geld ist. Kann sich ein Normalverdiener Moral nicht leisten?

Richtig ist: Letztens brauchte ich eine neue Jogginghose. Es sollte eine ganz einfache, schwarze sein. Das billigste fair gehandelte Modell, das ich nach stundenlangem Suchen finden konnte, kostete 45 Euro. Das ist für mich schon ziemlich viel Geld. Ich brauchte diese Hose tatsächlich, weil meine andere zerrissen war. Ich habe dann eine andere für 10€ bei Decathlon gekauft. (Und kurz danach war die Firma wegen ihrer Produktionsbedingungen in den Schlagzeilen.)

Richtig ist aber auch: Ein fair gehandeltes T-Shirt in ordentlicher Qualität gibt’s ab 15€, einen Hoodie ab ca. 40€. Bei h&m kosten die Dinge in schlechterer Qualität, die schneller kaputt geht, etwa die Hälfte. Das ist für viele Käufer*innen durchaus zu verschmerzen und unterscheidet sich nicht sonderlich von den Preisen bei, beispielsweise, Zara. Die Preisspanne ist nach oben offen, aber das gilt ja auch für konventionelle Mode.

Unangebracht finde ich dieses Argument vor allem dann, wenn es von Leuten mit Geld kauft, die beispielsweise Nike tragen. Denn die Preise liegen meistens leicht über h&m-Niveau und unterscheiden sich damit kaum noch von den fairen Labels. Nein, wenn du unter der Armutsgrenze lebst, dann musst du keine Jogginghosen für 50€ kaufen. Wenn du aber etwas mehr Geld ausgeben kannst und willst, dann ist es in vielen Fällen trotzdem bezahlbar. (Hier der obligatorische Hinweis auf Second Hand.)

Für viele ist Geld ein Hindernis, für manche nur eine Ausrede.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Viele Mythen und Meinungen über faire Mode haben einen wahren Kern, stimmen aber nicht in aller Eindeutigkeit. Die Wirklichkeit ist komplizierter und am Ende kannst nur du für dich selbst entscheiden, welche Argumente dich überzeugen. Es hilft dabei, sich umfassend zu informieren und keine Doppelstandards an faire Mode anzulegen.

Mythbuster out. Habt einen tollen Frühling voll Style und Gerechtigkeit.

Erzählt doch mal, wie ihr dazu steht. Stehen die genannten Punkte euch im Weg? Spielt das Thema Fairness eine Rolle? Welche Punkte beschäftigen euch da noch?

Vielen Dank an Sabrina und ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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