Warum ich keinen Alkohol trinke | Gedanken

keinen Alkohol

Hallo ihr Lieben,

Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, an mein letztes Glas Alkohol. Es war ein Wodka Lemon in einer kleinen Bar in Paris, umgeben von guten Freunden. Ich war wohlig eingelullt und konnte mich mit den Pariser Jungs die wir kennenlernten nur noch so mittelgut verständigen. Aber das war egal, es war ein sehr schöner Abschluss unserer Paris-Fahrt. Und dieser Abend ist jetzt beinahe 6 Jahre her.

Seitdem hatte ich keinen Schluck Alkohol mehr. Und ich bin sehr glücklich damit.

Kurzer Disclaimer: Es geht hier um meine persönliche Geschichte und Einstellung, nicht um ein allgemeingültiges Gesetz. Ich bin auch neugierig auf eure Meinungen und Geschichten, also erzählt sie gerne, wenn ihr Lust dazu habt! Hier wird keiner verurteilt dafür, wie er lebt.

Jetzt aber weiter im Text.

Wie kam es dazu?

Die erste Frage, die ich oft gestellt bekomme, wenn jemand erfährt, dass ich keinen Alkohol trinke, ist natürlich „Warum?“. Dicht gefolgt von dem Zusatz „Oder ist das eine zu persönliche Frage?“. Ich freue mich über die Höflichkeit, in meinem Fall ist sie jedoch nicht nötig. Es gibt keine traurige, bewegende Geschichte hinter meiner Entscheidung, keinen Alkohol zu trinken. Ich bin gerne im vollen Bewusstsein meiner geistigen Fähigkeiten und betrunken sein gibt mir nichts.

Am liebsten möchte ich eigentlich die Frage zurück stellen: „Warum nicht?“. Genauso interessant wie die Frage, warum ich nicht trinke, ist für mich, warum das Gegenüber es tut. Aber erstmal zu meiner Antwort:

Ich habe aus verschiedenen Gründen nie wirklich viel getrunken. Der Wichtigste: Ich hatte keine Lust. Die Sachen, die ich vertragen habe (Fruktoseintoleranz), haben mir nicht geschmeckt. Ich hatte kein Interesse an dem Zustand „Betrunken sein“, da ich mit betrunken Menschen nie viel anfangen konnte. Und ich hatte meine Freundinnen, die allesamt auch nicht tranken. Wir verbrachten unsere Abende mit 15 lieber mit langen Gesprächen und Blödsinn, als mit Party (danke dafür!).

In der Teenager-Clique wurde dann viel getrunken, aber irgendwer musste ja  immer gucken, dass alle heil nach Hause kommen. Ich wollte nicht eines der betrunkenen Mädels sein. Irgendwann haben alle mehr oder weniger akzeptiert, dass sie mich nicht zu mehr als einem Biermischgetränk überreden können und das war irgendwann okay. Übers Abi änderte sich mein Trinkverhalten mal ein paar Monate, aber richtig betrunken war ich trotzdem nie. Ich hatte noch nie einen Filmriss und habe kein Interesse daran, das zu ändern. Als ich dann mit meinem FSJ anfing, arbeiteten wir erst so viel, dass wir eh nicht zum Feiern kamen, danach beschlossen wir relativ flächendeckend während des Jahres nicht zu trinken. Und danach habe ich einfach nie wieder angefangen. Denn ich habe nichts vermisst, seit ich keinen Alkohol mehr trinke.

Die erste Bewährungsprobe erwartete ich dann im Studium. Doch auch dort reagierten alle erstaunlich verständnisvoll. Meine Unifreunde hörten teilweise einfach auch auf zu trinken oder hielten es eben meistens in Maßen. Wir waren trotzdem feiern und hatten grandiose Nächte. Wir waren nur einfach fit am nächsten Tag und erinnern uns noch an alles.

Je älter ich werde, desto öfter bekomme ich sogar eher anerkennende Kommentare, wenn jemand erfährt, dass ich nicht trinke. Sätze wie „Das würde ich auch gerne machen, würde ich aber niemals durchhalten“ oder „ich wünschte ich wäre auch so willensstark“ habe ich mittlerweile mehr als einmal gehört. Doch genauso oft bekomme ich schräge Blicke, Unverständnis oder bekomme von quasi Fremden ins Gesicht gesagt, dass ich damit definitiv ein total langweiliger, uninteressanter Mensch sein muss.

Dieser Artikel soll auf keinen Fall ein Aufruf sein, dass wir nun alle Antialkoholiker werden. Wem es Spaß macht, in gesundem Maß zu trinken, der soll das sehr gerne tun! Habe ich auch gemacht und daran ist nichts Verwerfliches. Sätze wie die da oben suggerieren mir allerdings, dass dem nicht immer so ist. Trinken aus fehlender Willensstärke „nein“ zu sagen? Oder weil man sich selbst eine längere Zeit „nüchtern“ nicht zutraut? Ich finde diese Gründe sind etwas bedenklich.

Alkohol ist am Ende des Tages ein Nervengift. Und auch, wenn es in unserer Gesellschaft voll akzeptiert und integriert ist, tut es deinem Körper nichts Gutes. Dein Körper gehört dir, ist dein Tempel. Du hast nur den einen, und den solltest du gut behandeln, wenn du lange etwas davon haben willst. Für mich gehört dazu, dass ich Sport mache, gesund esse und ihm nichts Unnötiges zuführe, was ihm schaden könnte.

Wenn man sich entscheidet, nicht mehr oder weniger zu trinken, sollte man sich nicht mit gesellschaftlichem Druck und Unverständnis gestraft werden. Denn es ist doch so: Trinkst du nicht, musst du dich rechtfertigen und wirst schief angeguckt. Trinkst du zu viel, gilt dasselbe. Dann wirst du nicht nur völlig ausgegrenzt, sondern musst auch noch mit einer Sucht kämpfen. Ist das nicht absurd? Am Ende geht es nur um Getränke, die man zu sich nimmt oder nicht. Also wenn ihr nur aus Druck von Außen trinkt, macht euch das bewusst und überlegt, ob ihr das wollt! Und schreibt mir gerne, wenn ihr Tipps braucht, wie man am Anfang damit umgehen kann. Wenn man keine Lust hast, sich zu rechtfertigen, sind Sätze wie „Ich muss noch fahren“ oder „Ich war gerade krank“ eine schnelle Erklärung um die Fragen abzuwürgen. Langfristig würde ich aber einfach empfehlen offen damit umzugehen, denn es ist nichts, für das man sich rechtfertigen müssen sollte.

Fazit:

Ich trinke keinen Alkohol, weil ich es nicht will. Weil ich es nicht mag und gerne im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten bin. Vielleicht weil ich die Dinge gerne weitgehend unter Kontrolle habe. Und weil Alkohol für mich persönlich mein Leben in keiner Art und Weise bereichert. Ich bin glücklich, ganz ohne Alkohol. Ganz ohne tragische Geschichte dahinter.

Wie steht ihr zu dem Thema? Könntet ihr euch einen Alltag ganz ohne Alkohol vorstellen oder habt ihr ihn sogar schon? Oder seht ihr das komplett anders als ich? Lasst mir eure Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren da, ich freue mich auf den Dialog mit euch!

 

PS: Für mehr Infos zu Thema, Tipps fürs weniger trinken, Kontaktnummern, falls man selbst oder jemand in seinem Umfeld Hilfe braucht und ein Selbsttest zum eigenen Alkoholkonsum findet ihr unter www.kenn-dein-limit.de. (Nicht gesponsert, aber eine gute Sammlung von Infos :))

4 Kommentare

  1. Hannah sagt: Antworten

    Sehr schöner Blogartikel! Du sprichst mir aus der Seele! :)

    1. Hallo Hannah,
      Das freut mich sehr!
      Dann weiter so und liebe Grüße an dich!
      Anni

  2. Charlotte sagt: Antworten

    Dass ich bei dem Thema ähnlich denke wie du, weißt du ja ;) Manchmal finde ich es wirklich erschreckend, dass sich manche Menschen ausgehen, tanzen und Spaß haben gar nicht ohne Alkohol vorstellen können… wie oft wurde ich schon gefragt, ob ich betrunken bin, weil ich so gute Laune hatte und blödes Zeug geredet habe…. dazu brauche ich Alkohol nun wirklich nicht. Mit Willensstärke hatte das bei mir auch nie etwas zu tun… zum Glück fand (und finde) ich alles mit Alkohol so eklig, dass ich gar nicht auf die Idee käme, so etwas zu trinken. Mein Körper weiß anscheinend, was gut, oder besser gesagt nicht gut für ihn ist ;) Rechtfertigen musste ich deswegen noch nie… dafür umso öfter, weil ich kein Fleisch esse… nervige Sache!

    1. Generell ist rechtfertigen für etwas, was man aus Überzeugung tut, total blöd. Und die Grenze zwischen „Ich erkläre mich“ und „ich rechtfertige mich“ ist oft fließend. Und wenn man gefragt wird, ob man betrunken ist, ist das ja quasi irgendwie die beste Bestätigungen, dass es auch ohne super funktioniert :D

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