Reisen mit dem Eurostar | Unterwegs

Reisen mit dem Eurostar

Hallo ihr Lieben,

heute nehme ich euch quasi mit auf eine Reise mit dem Eurostar, denn immer wieder fragen mich Leute, wie das eigentlich abläuft, diese Fahrt durch den Tunnel. Dieser Post ist also leider nicht gesponsert von Eurostar, sondern soll eine kleine Anleitung für andere ängstlichste Reisende sein, die gerne wissen wollen, was auf sie zukommt und wie die Fahrt abläuft.

Sechsmal habe ich den Tunnel mittlerweile durchfahren, immer auf der Strecke Brüssel-London bzw. Frankfurt-London (bzw. zurück). Alle Angaben beziehen sich also auf diese Strecke. Ich vermute, dass die Fahrt von Paris nicht viel anders ist, aber dazu kann ich nichts sagen.

Also, los gehts.

Frankfurt-Brüssel

In Frankfurt (oder Köln, Aachen oder Liége) steigt man in den ICE International ein. Der ist an sich wie jeder normale ICE auch, nur etwas geräumiger und moderner. Von Frankfurt ist man dann innerhalb von ziemlich genau 3 Stunden in Brüssel. Die Strecke ist total schön, man durchfährt immerhin einige tolle Städte und Landschaften. Hier ein Blick aus dem Fenster in Brüssel:

Der Weg in den Eurostar

In Brüssel gilt es dann, das Eurostar Terminal zu finden. Dazu folgt man einfach den Eurostar Wegweisern, die sich überall in der Bahnhofshalle finden. Aktuell wird der eigentliche Terminal Eingang umgebaut, deswegen gibt es einen Umweg, aber alles ist gut beschildert. Es gibt auch einen Schalter von der deutschen Bahn, falls man nicht auf englisch, französisch oder flämisch nachfragen will, falls man Probleme hat. Außerdem gibt es wie in jedem großen Bahnhof jede Menge Läden und Fressbuden. Im Zweifelsfall empfehle ich, sich hier nochmal einzudecken, denn die Auswahl im Terminal ist etwas begrenzt und relativ teuer. Eben wie am Flughafen.

Achtung: Achtet auf eure Umsteigezeit.

Spätestens (allerspätestens) 30min vor Abfahrt sollte man am Check-In sein. Wir waren schonmal zu knapp und haben die Durchsage fürs Boarding verpasst – und den Zug verpasst. Wenn ihr ein Bahn-Ticktet habt, achtet auf die Zeitumstellung. Da steht normalerweise 45min Umsteigezeit, eigentlich ist es aber eine Stunde mehr, da ab diesem Punkt das Ticket nach der englischen Zeit geht. So dauert die Fahrt laut Ticket von Brüssel nach London auch nur eine Stunde, was nicht stimmt ;).

Der Check-In läuft ähnlich wie am Flughafen. Perso und Ticket zeigen, Gepäck aufs Band und durch den Metalldetektor. Danach checkt man schon in Großbritannien ein und findet sich in einer relativ trostlosen Wartehalle wieder. Hier gibt es noch einen Zeitschriftenladen und was zu Snacken, saubere Toiletten und Sitzmöglichkeiten. Allerdings keine Fenster und keinen Sauerstoff, also seid nicht zu früh hier. Ich habe schonmal 6 Stunden in dieser Halle verbracht und es war kein Spaß.

Auf kleinen Fernsehern wird dann euer Zug angekündigt. Dort steht, auf welchem Gleis er ankommt und wann man losgehen darf. In der Regel bildet sich bis dahin eine eindeutige Schlange vor dem Durchgang zu den Gleisen, so dass man das eigentlich nicht verpassen kann. Ist der Zug da, kommt eine Durchsage (aber hier aber dann nicht mehr auf Deutsch, falls jemand Sprachprobleme hat) und ein Mitarbeiter öffnet den Durchgang zu den Gleisen. Je nach Platzreservierung geht es dann zum entsprechenden Wagen. Der Eurostar ist fast immer sehr voll und vor allem die älteren Ausgaben sind im Vergleich zum ICE sehr eng und relativ muffig.

Von Brüssel nach London

Mit 1-4 Zwischenhalten geht es dann weiter nach London. Bis Calais und zum Eingang des Eurotunnels dauert es etwa eine Stunde und normalerweise merkt man erst, dass man im Tunnel ist, wenn es dunkel ist. Man bekommt hier keinen Druck auf die Ohren und hat auch sonst keine unangenehmen Tunnel-Nebeneffekte. Genau 20min ist man unter dem Ärmelkanal. Außer dass es draußen dunkel und im Zug etwas kühler ist, bekommt man davon aber eigentlich nichts mit. Kurz bevor man den Tunnel verlässt, wird der Zug langsamer. Das fühlt sich erstmal etwas unangenehm an, ist aber immer so. Außerdem hat es bei mir schon öfter laut gepiept, wie ein Alarmsignal, an unterschiedlichen Punkten der Strecke. Ich habe bisher nicht rausgefunden, was das heißt, aber passiert ist bisher nichts, also kein Grund zur Sorge.

Nach 2 Stunden fährt man dann über Themse und landet im St. Pancras International Bahnhof mitten in London. Rund um den Bahnhof gibt es zahlreiche Hotels, Hostels und Essensmöglichkeiten. Und nebenan ist King’s Cross mit Gleis 9 3/4 ;).

Nach etwa 5 Stunden reiner Fahrtzeit, ist man damit am Ziel. Und mich macht der Anblick dieser Uhr immer wieder ganz glücklich. Willkommen in England. Durch einen extra Ausgang landet man mitten in der St. Pancras Einkaufsmeile, wo man fast immer von Live-Klaviermusik begrüßt wird. Hier könnt ihr auch gleich eine Oyster Card kaufen/ausleihen. Aber zu London und England-Reise Tipps komme ich noch ein andermal.

Reisen mit dem Eurostar

Und wie gehts zurück?

Im Prinzip genauso. Allerdings ist die Wartehalle in London deutlich größer, da hier viel mehr Züge starten. Man kann sich also nicht auf den einen Eingang verlassen, sondern sollte die Infotafeln immer im Auge haben, denn hier fahren alle paar Minuten und nicht nur alle 2 Stunden Züge ab. Ansonsten gilt dann das gleiche Spiel Rückwärts, nur dass man in Brüssel meistens nicht viel Umsteigezeit hat. Und dass am Ende nicht London auf einen wartet.

Was kostet das?

Je nachdem wann man bucht, kann die Fahrt sehr günstig oder relativ teuer sein. Bucht man 3 Monate im voraus, kommt man oft mit 40-60 Euro pro Strecke hin. Je länger man wartet und je beliebter die Fahrtzeiten, desto teurer wird das Ganze, bis zu 200 Euro pro Strecke. Also rechtzeitig buchen!

Mein Fazit – Fliegen oder Fahren?

Der Eurostar ist für mich eine super Alternative zum Fliegen. Ich liebe Großbritannien, aber ich habe schlimme Flugangst und bin daher bereit die längere Reisezeit auf mich zu nehmen. Ich bin auch schon nach London geflogen und wenn man nicht nur mit Handgepäck reist, braucht man von Frankfurt bis London Stadtmitte über Heathrow auch gute 5 Stunden (mit Eincheck- und Auscheck-Zeiten und der Fahrt vom Airport ins Zentrum). Für mich ist die Fahrt so stressfreier, aber eben auch relativ anstrengend, mit Umsteigen, Zeitdruck und viel Fahrtzeit. Außerdem hinterlässt man mit der Zugfahrt einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck, die Reise ist viel nachhaltiger, als ein Flug. Und man reist innerhalb weniger Stunden durch 4 Länder, was ja auch irgendwie cool ist.

Wenn man sowieso in Brüssel oder Paris ist, würde ich den Eurostar vorziehen. Keine Gepäckbeschränkungen, einfach einsteigen und aussteigen. Aber entscheiden muss das am Ende ja jeder selbst :).

 

Mich interessieren eure Erfahrungen! Habt ihr  den Eurostar schon genutzt? Würdet ihr es wieder tun oder entscheidet ihr euch lieber für den Flugweg?

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